Samstag, 26. Dezember 2009

Parque Tunari

Da Cochabamba ja in einem Tal liegt, gibt es logischerweise rundherum Berge. Hat lange gedauert, dass ich mal auf einen wirklichen Berg gewandert bin. Nun einmal mit Eric und ein anderes Mal mit Eric und meinem Gastbruder Eduardo. Start ist der Eingang zum Parque Tunari auf ca. 2700m. Der Berg (Bild links, rechter Berg) hat ca 4500 Meter. Beim haben wirs nur bis auf einen etwas kleineren Huegel geschafft. Von oben hat man (wenns nicht grad bewoelkt ist) einen tollen Blick auf Cochabamba. In der Lagune werden Forellen gezuechtet, wir haben 3 riesige frisch gefischte gekauft und durch Regen und Gewitter wieder nach unten gebracht. Waren insgesamt ca 9 Stunden unterwegs, ein super Spaziergang fuers Wochenende, werden wir sicherlich noch oefter machen. Man sagt auch, dass dieser Weg einer der sichersten ist in Cochabamba. Der Hauptgrund, warum ich bisher noch nicht gewandert bin, ist, dass eignetlich alles gefaehrlich ist. Man sollte mit einem unerschrockenen Quechua-sprechendem Guide gehen, damit er einen vor lynchenden Campesinos und Dieben schuetzt und damit man evtl. vorhandene Kokain-Produktion umgeht um nicht erschossen zu werden. Klingt schon ein bisschen drastisch, scheint auch etwas uebertrieben zu sein, aber die Cochabambinos selber gehen wirklich nicht viel raus in die Umgebung. Freu mich aber schon auf die Zeit mit Christoph, den ich dazu bestimmt nicht gross motivieren muss. Er kommt am 29. in Lima an, wir treffen uns in Cuzco.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Feliz Navidad!

Lange nichts mehr geschrieben.... Bin geflogen, gewandert (werde ich noch von berichten), hab Abschiede und Geburtstage gefeiert, hab auch in den Ferien fast jeden Tag den Computerraum fuer die Kids aufgemacht und einen Kalender fuer 2010 produziert. In den letzten Tagen haben mich morgens 30 Kinder erwartet (wir haben 15 Computer). "Profe, Profe!!!!!!"
Schoen, ein bisschen mehr Zeit fuer die Kinder zu haben, einige Namen zu lernen und sie auf der Strasse wiederzuerkennen. Habe viele neue Spiele installiert, u.a. ein Memory mit den Bildern von den Kids selbst; und hab natuerlich alle Einstellungen von den Computern veraendert.
Heute war das Weihnachtsfruehstueck zu dem 400 Kinder erwartet wurden. Alle Kinder der Comunidad haben Kakao, ein Brot und anschliessend eine Tuete mit Spielzeug und Suessigkeiten bekommen. Genau wie bei der Wahl mussten die Kinder ihren Finger in unabwaschbare Tinte tauchen. Ich habe waehrenddessen Bilder und Kalender verkauft.
Danach durch die Stadt mit Trufi-Taxi zurueck. Ein einziges Verkehrschaos. Ganz Cochabamba ist am 23. und 24. in der Stadt, alles dicht. Ich muss zum Glueck nichts mehr einkaufen. Bereit fuer Weihnachten, auch wenn das Wetter dazu nicht passt. Nachts kommt durch die vielen Lichterketten in der Stadt aber sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Das Haus ist auch voll von Weihnachts-"Adornos", mein neues Lieblingswort. Weihnachtsbaum wird nach deutscher Tradition auch erst am 24. aufgestellt, und das Christkind kommt auch erst morgen in die Krippe.

Ich wuensche Euch allen Frohe Weihnachten!!!!!!!

Michael

Donnerstag, 3. Dezember 2009

San Benito - Parte 4

Zusammen mit den Familien haben wir die Tage verbracht, gegessen, Fischen gefahren, Fussball gespielt (ja, Christoph, aber mit Alirio und Sisa wars noch lustiger), gebadet, Mais gesaet und Fruechte gesammelt, an einem Kanu gearbeitet. Auf besonderen Wunsch von Sven und Sabine reiche ich auch noch ein Spinnenbild nach.
Was mir aber mehr auf dem Herzen liegt als die Aktiviaeten zu beschreiben, ist, was ueber die Probleme zu schreiben:
Die Indigenas nutzen Flusswasser fuer alles. Baden, Waschen, Kochen, direkt Trinken. Es gibt noch weitere Doerfer Flussaufwaerts. Ausserdem ist die mobile Kokainherstellung ein grosses Problem. Die chemischen Abfaelle werden in die Fluesse gegossen. Wie schon geschrieben, ich habe nur an 2 Stellen im ganzen Dorf gesehen, dass sie Regenwasser sammeln. Delpia wird da hoffentlich was unternehmen. Das Wasser hat wahrscheinlich uns 4 Touristen Amoeben oder aehnliches beschert. Die Indigenas haben allerindgs keine aerztliche Versorgung, koennen sich nicht einfach Medikamente in der Apotheke kaufen.
Die Kokablaetter, die im Chapare angebaut werden, eignen sich nicht zum traditionellen (legalen) Gebrauch, also dem Kauen. Nur zur Kokainherstellung. Deshalb ist (eigentlich) klar, dass der gesamte Koka-Anbau im Chapare illegal ist. Trotzdem bauen selbst die Indigenas im grossen Stil Koka an. Wir haben - noch tief im Wald - Koka-Felder gesehen. Die Bolivianer an sich und die Indigenas haben die Einstellung, sich von der Natur nehmen zu koennen, was sie wollen. So haben wir bei einem Waldspaziergang 3 (!!!) Baume gefaellt, nur um ein paar langweilige Nuesse zu ernten. Wald wird fuer Felder gerodet, manchmal hat der Eigentuemer (in der Communidad kann sich jeder soviel Wald bzw Land nehmen, wie er will) keine Lust und das Feld liegt brach. Delpia arbeitet daran, den Indigenas Alternativen zum Koka aufzuzeigen, z.B. durch den Anbau von Mais. Aber Koka ist einfach die anspruchsloseste Pflanze und die ertragreichste. Man sagt auch, dass man auf einem Feld, auf dem Koka angebaut wurde, spaeter nichts anderes mehr anbauen kann.
Ein weiteres fuer Bolivien typisches Problem ist, dass die Menschen ihren Muell ueberall hinschmeissen. Die Indigenas haben keinen STrom, aber nutzen Taschenlampen und Radios, sogar einen MP3-Spieler habe ich gesehen. Die Batterien werden ueberall hingeworfen, auf den Weg, aufs Feld, hinters Haus.... und ueber die 200 Bierdosen und 6 Pepsi-Flaschen, die die Familien mit uns aus dem naechsten Dorf (ca 1. Stunde zu Fuss, Kanu, zu Fuss und mit Taxi) geholt haben, werden bestimmt die naechsten Touristen stolpern.
Diese Einstellung zur Natur ging bis vor ein paar Jahren ja noch gut. Aber mittlerweile ist der Fluss eben kontaminiert, der Abfall verwest nicht mehr einfach so von sich aus und der Wald wird immer weniger. Delpia versucht natuerlich - wie viele andere Organisationen - hier mit Workshops und Ausbildungen aufzuklaeren, wieviel Erfolg das ganze Programm an sich hat oder haben wird, kann ich aber nicht beurteilen. Sicher ist aber, dass es noch viel Arbeit ist und dass vor allem gegen den aufkommenden Alkoholkonsum auch etwas unternommen werden muss.
Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Im letzten Jahr mit Christoph war ein Besuch bei den Indigenas in Ecuador eher paradisisch. Jetzt habe ich eine andere Realitaet kennengelernt.